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"Ich kann nicht so weiter, " - Nikole trinkt ihren Kaffe zu Ende,
zuckt die Achseln und redet weiter - "seitdem ich mein Diplom habe und um ein
Zwischenzeugnis gebeten habe, mobbt die Leiterin mich. Sie beschwert sich bei den
Vorgesetzten über mich, sie schreit mich jeden Tag an. So muss ich, wahrscheinlich,
kündigen." Nikole hat in diesem kleinen Familienbetrieb aus Ostwestfalen ihre
Ausbildung zur Immobilienkauffrau gemacht, hat dieser Firma zehn Jahren gewidmet.
Nebenbei hat sie BWL studiert. Jetzt passt sie nicht mehr ins Team - zu hohe Bildung und
Karriereansprüche. Das ist mehr als unangenehm, ist aber nicht das Hauptproblem.
Die wichtigste Frage, die Nikole beschäftigt, ist die Warum-Sie-Ihren-Job-gekündigt
-haben-Frage bei dem Vorstellungsgespräch. "Was soll ich dann antworten? Soll ich die
Wahrheit sagen? Sie werden mich bestimmt für unbelastbar und unkommunikativ halten. Sie
werden denken, ich passe nicht ins Team." Was soll ich sagen? Nikole hat Recht. Man soll auf
keinen Fall schlecht über die frühere Firma, den Chef oder frühere
Arbeitskollegen reden.
Etwa ein Drittel aller Arbeitnehmer in Deutschland sind von Mobbing betroffen.
Laut der Daten von der EU-Kommission sind rund 40 Prozent aller Deutschen mit ihrem Job
unzufrieden. Warum also nicht aufrichtig über ein Thema sprechen, das viele bewegt?
Psychologen sagen: Mobbing ist ein ungelöstes Problem. Immerhin könnten Mobbingopfer
sich nicht ins Team einpassen und Ihre Führungsfähigkeiten beweisen. Ein
Personalverantwortlicher ist vor allem ein Geschäftsmensch. Sein Hauptziel ist das
Wohlfühlen des Unternehmens. Ein Teamkrieg gehört nicht dazu.
Wie soll dann auf die Fragen nach dem früheren Arbeitsplatz reagiert
werden? Verschweigen? Oder sogar lügen? Auf keinen Fall. Die Bewerber sollen vor allem
alle Emotionen außen vor lassen. Im Fall von Nikole sollte die Antwort so wie "eine
Verknappung des Karrierespielraums" aussehen. Schließlich kann nicht jedes Unternehmen
für junge Nachwuchskräfte einen seiner Qualifikation entsprechenden Posten anbieten.
Da ist es problemlos möglich, seine "unerfreuliche" Vorgeschichte unverfänglich zu
schildern: "Ich wollte mich weiterentwickeln. Doch die Marktsituation lässt das gerade
nicht zu."
Besonders heikel ist für viele Bewerber das so genannte Stressinterview.
Mit Enthüllungsfragen versucht der Personalverantwortliche, seinen Gesprächspartner
zur Aufrichtigkeit zu verführen: Was schätzt Ihr Chef in Mitarbeitern? Womit sind
Ihre Arbeitskollegen zurzeit besonders unzufrieden? Was würden Sie in Ihrer heutigen Firma
ändern, falls Sie das dürften? Lassen Sie sich nicht täuschen und sehen Sie sich
nicht in der Rolle des Verhörten. Vergessen Sie nicht: bei dem Vorstellungsgespräch
sollen Sie sich vor allem als Problemlöser anbieten. Sie sollten antworten in der Richtung:
Sie bevorzugen eine teamorientierte Arbeitweise; Sie möchten Fragen stellen dürfen;
Sie vertrauen auf Vorgesetzte, die führen, motivieren und Aufgaben klar stellen.
Sie können auch nach einer bestimmten Problemlösung in Ihrem Unternehmen
gefragt werden. Hier geht darum, genau zu überlegen, welche Fakten allgemein über die
Presse oder den Geschäftsbericht zugänglich sind. Ansonsten ist Diskretion die beste
und weiterhin akzeptierte Möglichkeit, sich elegant aus der Affäre zu ziehen. Man
will sich schließlich nicht nur über die Konkurrenz informieren, es geht auch darum,
ob man Ihnen in Zukunft vertrauen kann. |
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