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Kindergärten und Schulen werden bald noch leerer,
die Arbeitsteams älter - und jetzt auch noch das: Zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten
kehrten 2005 mehr Menschen ins Ausland, als in die Bundesrepublik eingewandert sind. 2006
steigt die Tendenz sogar. Gerade die jungen Bürger packen angesichts der
Arbeitsmarktperspektiven Ihre Sachen.
Ein ehemaliger Arbeitskollege fragte mich nach möglichen
Bekannten, die schon Erfahrungen im Ausland gesammelt haben. Er hat zwei Kinder,
die am Ende ihres Studiums stehen. Und keine Perspektive in der Heimat. Auch im Betrieb,
wo er gerade tätig ist, gibt's keine freie Stelle mehr. Nächstes Jahr ist dazu
eine massive Kündigung vorgesehen. Er fragt, ob ich an das Wohl seiner Kinder im Ausland
glaube. Was kann ich sagen? Sich in einem fremden Land adoptieren ist nicht gerade leicht.
Nach einem gerade abgeschlossenen Studium im Heimatland um die Sozialhilfe zu betteln ist
mehr als unangenehm.
Vor kurzem schlug das Statistische Bundesamt mal wieder Alarm: Bis zum
Jahr 2050 wird deutsche Bevölkerung um mindestens 9 Millionen auf 73 Millionen Einwohner
schrumpfen. Die Vorboten dieser Entwicklung sind längst sichtbar. Bereits in den
vergangenen drei Jahren ging die Bevölkerungszahl in Deutschland zurück - im Jahr
2005 um 63.000 oder 0,1 Prozent.
Jahr zu Jahr sterben mehr Deutsche als geboren werden. Bisher sorgten
Zuwanderer dafür, dass die Einwohnerzahlen deutscher Städte und Dörfer stabil
bleibt. Seit kurzem nicht mehr. Jetzt kommen weniger Ausländer nach Deutschland, als
zurückkehren, und auch junge Deutsche versuchen ihr Glück in fremden Ländern.
Zum ersten Mal seit dreißig Jahren wanderten im Jahr 2005 mehr
Staatsbürger ins Ausland ab, als in die Bundesrepublik zurückkamen oder sich hier
niederließen. Um 17.000 mehr. Und es sind die energischsten, die ehrgeizigsten,
Hochqualifizierten und mutigsten Menschen. Deutschlands Verlust, wessen Gewinn?
Schweiz, Österreich, die USA, England, Kanada, Frankreich, Spanien,
Italien, Australien, sogar die Türkei profitieren von der schlechten Lage am deutschen
Arbeitsmarkt. All diese Länder locken heute mit soliden Wirtschaftsdaten, Flexibilität
und hervorragenden Arbeitsperspektiven. In der Schweiz waren 2005 lediglich 4,5 Prozent Menschen
arbeitslos, in Österreich sogar 2,5 Prozent.
Gerade die jungen Menschen, die Zukunft der Bundesrepublik, sagen
ihrer Heimat auf Wiedersehen. Meistens sind Auswanderer zwischen 20 und 35 Jahren alt.
Und Deutschland ruft sie nicht zurück. Im Gegenteil, sie propagiert sogar die
Emigration in verschiedenen Telenovellen. Will die Bundesrepublik wirklich bald ein Land
von Rentnern werden? |
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